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Die Ausbildung des jungen Pferdes, eine Kunst!

Die Ausbildung junger Pferde ist eine schwierige Kunst.
Heute sind immer mehr Züchter nicht mehr in der Lage, ein junges Pferd auszubilden: Es fehlt ihnen an Zeit oder Wissen, sie haben die nötige Ausrüstung oder Infrastruktur nicht mehr, und manchmal sind sie auch zu alt dafür. Sie wenden sich dann an Spezialisten (Pferdezentren und Pferdeausbildner). Es ist lobenswert, wenn das junge Pferd in den Händen von professionellen Reitern und Fahrern ist.

Unsere schnelllebige Zeit
Allerdings entkommt auch die Pferdwelt unserer Zeit nicht, wo alles immer schneller gehen muss. Einige Trainer fahren und reiten ein junges Pferd in einem Monat für den Feldtest ein. Das ist viel zu kurz für ein junges dreijähriges Pferd, das bis dahin im Laufstall in voller Freiheit lebte. Derart unter Druck gesetzt, kann ein junges Pferd die Ausbildung in so kurzer Zeit nicht verarbeiten. Sein Wohlbefinden leidet und der Feldtest scheint zu anspruchsvoll, wie einige Reiter argumentieren.

Der Feld- und der Verhaltenstest
Der Feldtest soll kein Wettbewerb sein mit einer Klassierung, sondern er soll eine Beurteilung des Pferdes erlauben, seiner Grundgangarten und seiner natürlichen Reit- und Fahreignung. Daneben soll der Verhaltenstest, der seit 2001 durchgeführt wird, dazu dienen, das Temperament der Pferde einzuschätzen. Nach dem tragischen Unfall von Bellelay stellen gewisse Leute den Verhaltenstest in Frage. Damit schneiden sie sich aber ins eigene Fleisch. Selbst wenn dieser Test das Temperament der Pferde nicht zeigen könnte, so hat er einen hohen Werbe-Wert. Denn es hat sich ja gezeigt (Lansade), dass das Temperament das wichtigste Kriterium beim Freibergerkauf ist, egal ob für Sport oder Freizeit.

Es ist keine einfache Aufgabe, zuverlässige Tests zu entwickeln, die das Verhalten der Freiberger in verschiedenen Situationen aufzeigen. Dies hat bereits und wird noch viele weitere Untersuchungen brauchen. Der Schweizer Freibergerzuchtverband legt darauf ein besonderes Augenmerk.

Tests in früheren Zeiten
Als die Pferde noch in der Landwirtschaft verwendet und täglich eingespannt wurden, konnte der Bauer einen guten oder einen schlechten Charakter gut erkennen. Dafür waren keine aufwendigen Tests nötig. Die Selektion wurde über «Mundpropaganda» ausgeübt. Ich erinnere mich, als 1960 unter anderem Raspoutin (Raceur/Zéphir), ein schwerer starkknochiger Hengst von 163 cm Stockmass, Jahrgang 1950, aus der Zucht genommen und kastriert wurde. Der Charakter seiner Nachkommen wurde von den Nutzern als schlecht beurteilt.

Die Qualitäten des Freibergers
Schon früher wurden als Qualitäten des Freibergers anerkannt: seine Schlichtheit, seine Folgsamkeit, sein ruhiges Temperament und sein einwandfreier Charakter. Qualitäten, die wir heute mit den aktuell vorhandenen Mitteln erhalten müssen.

Anlässlich des Marché-Concours Saignelégier zitiere ich einige Auszüge aus dem Buch «Das Pferd in der Schweiz», von Dr. Ernest Feisst, der damals Direktor der Abteilung für Landwirtschaft und des eidgenössischen Kriegs-Ernährungs-Amtes war:

«Danket dem Jurapferd»
Der Marché-Concours Saignelégier von 1943 hat zweifellos die Ansicht verstärkt, dass die jurassische Pferdezucht ein bemerkenswertes Niveau erreicht hat. Sicher, jeder weiss genau - und die Züchter wissen das besser als alle anderen - dass jede Zucht, erst recht eine stark selektionierte Zucht, weiter verbessert werden kann.

Die Zucht darf nicht mit Produktion verwechselt werden. Es wird ein systematischer und unermüdlicher Einsatz zur Verbesserung der Rasse ausgeübt, der denen viel Verantwortung auferlegt, die diese Aufgabe übernehmen. Es zwingt sie, ihre Bemühungen nie aufzugeben, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren, ständig nach Perfektion und nach grösstmöglicher Vereinheitlichung zu streben. Die Zucht besteht darin, nach besten tierzüchterischen Prinzipien die besten Blutlinien zu vereinigen.

Speziell in der Pferdezucht müssen Rückschläge mutig akzeptiert werden. Fehler müssen erkannt und korrigiert werden. Vor allem muss die Erhaltung der Linie, der Ausdauer und Widerstandskraft, wie auch des harmonischen Charakters der Zuchttiere angestrebt werden. In diesem Punkt kann auch die jurassische Zucht Fortschritte machen und sich verbessern: das ist nicht nur möglich, sondern notwendig.

Hier wagen wir die Züchter daran zu erinnern, dass zwei Dinge wichtig sind und es immer sein werden.Die Auswahl und die Paarung müssen rational und verantwortungsbewusst vorgenommen werden. Das sind wesentliche Voraussetzungen, die Grundlage des Erfolgs. Diese beiden Aktivitäten sollen die Züchter mit grösster Weitsicht und Bedacht ausüben, denn sie sind und bleiben wesentliche Faktoren im Bereich der Tierzucht. In diesem Zusammenhang soll zu allen Versuchen und Erfahrungen ermutigt werden, die auf einer wissenschaftlichen Grundlage basieren.

Überhaupt gründet die aktuell erfreuliche Entwicklung vor allem auf der Liebe zum Beruf, auf umfangreichem Wissen und auf dem gesunden Urteilsvermögen der jurassischen Züchter. Diese Tugenden sind in den Bewohnern der Freiberge tief verwurzelt und haben eine lange Tradition. Das gibt Zuversicht für die Zukunft der jurassischen Zucht. Das Jurapferd muss ein charakteristisches Produkt bleiben, als ein Spiegel dieser wunderschönen Region mit dem süssen Namen: die Freiberge.
Seinerseits wird der Bund mit all seinen Mitteln dazu beitragen, die Zucht im Jura zu erhalten.


Prächtiger Kopf eines Freiberger Zuchthengstes.

Bad in der Birse: Glückliche Pferde (bereits in den 1940er Jahren war der Freiberger ein treuer Freizeit-Begleiter).

Geduldige Freunde (eine Qualität, die heute nach und nach verloren geht).

Ein Zitat aus der Broschüre des 75. Geburtstag der Pferdezuchtgenossenschaft Bellelay (1982), von Arthur Juillerat, der damals Verwalter des Gutsbetriebes von Bellelay und ehemaliges Mitglied der eidgenössischen und kantonalen Kommission für Pferdezucht war:

...dass der neue Schweizer Pferdezuchtverband für die drei anerkannten Rassen, der im Frühjahr 1963 gegründet wurde (vor fast 50 Jahren, woraus der aktuelle Freiberger-Zuchtverband entstand), eine intensive Tätigkeit entwickelt, insbesondere in der sorgfältigen Koordination aller Massnahmen zum Schutz des Pferdes:
Im Januar 1964 tagt «eine Konferenz» in Avenches...
Ein Workshop mit dem Thema «Die Zukunft des Pferdes in der Schweiz» wird von der Gemeinschaft für das Pferd organisiert, am 14.11.1968 in Solothurn (bereits in Solothurn). Verschiedene Persönlichkeiten werden sich äussern: Universitätsprofessoren und Pferdesport- oder Pferdezucht-Experten in einer breiten Diskussion aller aktuellen Probleme.
Aus all diesen Gesprächen wird eine Leitplanke für die Zucht hervorgehen:
  • Für die Freiberger muss das Zuchtziel in Zukunft ein leichtes Zugpferd für die Landwirtschaft sein, als Ergänzung zum Traktor, und ein Train- und Packpferd für den Einsatz in der Armee.
  • Dieses Pferd hat ein ruhiges Temperament und einen einwandfreien Charakter. Es hat eine passende Grösse, eine gute obere Linie und korrekte Gliedmassen.

Bei der Ausbildung junger Pferde im Reiten und Fahren ist es wichtig, nichts zu überstürzen, was unter Zeitdruck zwangsläufig passiert.

Auch hier möchte ich einige Auszüge aus einem Artikel des eidgenössischen Kavallerieremonten-Depots in Bern zitieren über die Ausbildung junger Pferde. Der Artikel erschien 1945 ebenfalls in dem Buch «Das Pferd in der Schweiz».

  • Einmal eingewöhnt (das rohe Jungpferd) absolvieren die jungen Pferde einen Vorbereitungskurs von 12 bis 16 Wochen. Das Ziel dieses Kurses ist es, das junge Pferd an den Reiter und nach und nach an alles Unbekannte zu gewöhnen und ihm die grundlegenden Hilfen begreiflich zu machen.
  • Der erste Eindruck des jungen Pferdes von Sattel und Reiter beeinflusst entscheidend seine spätere Ausbildung. Daher ist es wichtig, während der ersten Lektionen mit grosser Ruhe, Geduld und Umsicht vorzugehen.
  • Unerschütterliche Ruhe, viel Geduld und eine echte Liebe zum Pferd, das sind die Tugenden eines jeden Reitmeisters.
  • In den ersten vier bis sechs Wochen werden die Remonten im Schritt und Trab geritten, vor allem in der Reitbahn und nur auf den grossen Figuren. Wenn die Remonten so weit sind, dass sie völlig losgelassen unter dem Reiter im Schritt und Trab gehen, kann mit dem Galopp begonnen werden.
  • Der Galopp stärkt die Muskeln des Pferdes, besonders des Rückens. Er gibt dem Pferd Kraft und Gesundheit und Freude am Vorwärtsdrang. Im Verlauf des Vorbereitungskurses werden die jungen Pferde an Verkehr und unterschiedlichsten Lärm gewöhnt: Schüsse, Trommel-wirbel, Musik, Klingeln der Strassenbahn, Autohupen, etc. Schon bald lässt man sie über auf den Boden gelegte Stangen gehen und dann leichte Hindernisse überqueren. Wenn die Pferde den Galopp in der Reitbahn gelernt haben, übt man das auch draussen im Gelände.
Das Einfahren beruht auf den gleichen Prinzipien:
  • Das Pferd muss vor allem Mut haben, zuverlässig und gehorsam sein.

Ein Pferd, das in vollem Vertrauen die Gehorsamsprüfung absolviert.

Während die Mutter den Pflug zieht, marschiert das Fohlen voraus, als wolle es ihr den Weg zeigen.

Diese einschlägigen Bemerkungen sind mehr als 50 Jahre später immer noch sehr aktuell. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Die Ausbildung eines jungen Pferdes kostet Zeit und Geld (Zeit ist Geld). Die Kosten der Ausbildung beeinflussen automatisch den Verkaufspreis eines Freibergers, ob für Sport oder Freizeit.

Nicht nur das grosse Loblied
Deshalb müssen Freiberger selektioniert und aufgezogen werden, die gelehrig sind und schnell lernen. Zu diesem Zweck haben die verantwortlichen Stellen und die Freiberger-Züchter die Möglichkeit, die Vorteile von neuen Technologien zu nutzen und die Hilfe der Wissenschaft in Anspruch zu nehmen. Denn es ist nicht damit getan, mit viel Werbung das grosse Loblied des Freibergers zu singen. Letztlich ist es wichtig, dass das Produkt die Anforderungen der Nutzer erfüllt, und dass der Freiberger den Ruf seiner inneren Qualitäten wirklich verdient.

Vereinigung «Franc de Collier»
In den Freibergen gründete eine Gruppe von Leuten die Vereinigung «Franc de Collier» mit dem Ziel das Fahren mit Freibergern zu fördern, zu üben und zu perfektionieren. «Franc-de-collier - eine Vorstellung, die für unsere Vorgänger eine wichtige Bedeutung hatte beim Verkauf eines Pferdes. Dieser Begriff bedeutete zu jener Zeit eine unfehlbare Garantie für Folgsamkeit, Mut, Respekt, ohne Trug oder Laster. Der Verein greift die volle Bedeutung dieses Begriffs auf, d.h., dass an allen ihren Veranstaltungen sichergestellt wird, dass die eingespannten Pferde diesen Qualitätstitel verdienen.»

Wir hoffen aufrichtig, dass die Aktivitäten des Vereins «Franc de Collier» diesen Erwartungen ent-sprechen.


Ausfahrt mit historischen Fahrzeugen von Bellelay nach Muriaux, an der Gespanne des Vereins «Franc de Collier» teilnahmen (ein freundschaftlicher Anlass für einmal ohne Wettkampf oder Richter).

Grosse Anstrengungen zur Vermarktung der Freiberger
Es gibt noch viel zu tun und grosse Anstrengungen sind nötig, um die grösstmögliche Anzahl von gut ausgebildeten und preiswerten Freibergern zu vermarkten. 2008 wurden 2575 Freiberger Fohlen während der Schauen registriert. 2011 nahmen 947 dreijährige Pferde am Feldtest teil. Was geschah mit den anderen 1628 Freiberger Fohlen, 63.23%, aus dem Jahr 2008?

Das ist eine Überlegung wert!

Unterstützung durch den Bund
Zum Schluss: Trotz dieser Erkenntnisse braucht der Freiberger, die einzige einheimische Pferderasse, für seine Erhaltung die volle Unterstützung des Bundes, entgegen einer ungerechtfertigten Kritik in einer Zeitschrift der Deutschschweiz. Um eine Selektion zu treffen, ist es zwingend erforderlich, eine ausreichend grosse Population von Zuchttieren zu haben.

Jean-Pierre Graber, Übersetzung Stefanie Meier

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Interessengemeinschaft zur Erhaltung
des Original Freiberger Pferdes