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Die Berechnung des Fremdblutanteils beim Freibergerpferd


Was bedeutet «Fremdblutanteil»?

Auf viel geäusserten Wunsch erläutern wir hier, wie der Fremdblutanteil (FB-Anteil) beim Freibergerpferd berechnet wird.

An sich ist die Angelegenheit sehr einfach: FB-Anteil des Vaters plus FB-Anteil der Mutter geteilt durch zwei gleich FB-Anteil des Nachkommens aus dieser Paarung.

Oder mathematisch dargestellt:
FB-Anteil Vater + FB-Anteil Mutter=FB-Anteil Fohlen
2

Kurzer geschichtlicher Rückblick zur Fremdblutzuführung
Es ist bekannt, dass die Freibergerrasse ursprünglich kein homogenes Pferd war. Es wurden immer wieder fremde Rassen zugeführt, und zwar vom Vollblut bis zum schweren Kaltblut. Aber den ausdauernden und hartnäckigen Züchtern im Jura ist es schliesslich gelungen, ein homogenes Pferd zu züchten, das wir heute als Freiberger bezeichnen. Dabei gab es schon damals leichte Wagenpferde und schwerere Pferde für die Landwirtschaft.

Aufgrund der Veränderungen in der Landwirtschaft zwischen 1950 bis 1970 entschied man sich in der Freiberger-Zucht für die Umstellung auf ein Freizeitpferd. Die Veredelung mit dem polnischen Vollblutaraberhengst Doktryner war Erfolg versprechend, und die Züchter verlangten eine weitere Zufuhr von Fremdblut. Der Schwedenhengst Aladin deckte eine FM-Stute und aus dieser Paarung schlüpfte Alsacien, der sehr erfolgreiche und beliebte Begründer der L-Linie.

Andere Warmblut-Einkreuzungen fanden nicht soviel Anklang und verschwanden bald wieder aus der Zucht. Viele Züchter liessen aber nicht locker. Sie wollten die Freibergerrasse weiter in Richtung Warmblut veredeln.

Schliesslich wurde 1990 der Einsatz von Noé (Schweizer Warmblut) und kurz darauf von Qui-Sait (Schweizer Warmblut) für die FM-Zucht freigegeben.

Gründung der IG OFM und erste Definition des Originalfreibergers (OFM)
Dieser massive und ab diesem Zeitpunkt unkontrollierte Einsatz dieser Warmbluthengste rief die Interessengemeinschaft für die Erhaltung des Original Freiberger Pferdes auf den Plan (IG OFM). Aus unserer Sicht musste der massiven Einkreuzung in die FM-Rasse Einhalt geboten werden. In der IG wurde nach langen Diskussionen der Originalfreiberger wie folgt definiert: «Die Bezeichnung «Original Freiberger Pferd» darf ein Freiberger Pferd tragen, wenn sein Fremdblutanteil 2% nicht übersteigt. Dabei gelten als Fremdhengste alle Warm- und Vollbluthengste, die ab 1950 in der Freibergerzucht eingesetzt wurden.»

Mit der Beschränkung der Berechnung der Fremdblut-Zufuhr ab 1950 (womit alle früheren Einkreuzungen ignoriert werden) soll der heutige Original Freiberger auf den 1950 vorhandenen ziemlich homogenen Freiberger-Typ gründen, bevor die oben erwähnten «modernen» Veredelungen stattfanden.

Schliessung des Zuchtbuches und später Übernahme der OFM-Definition als Kategorie Basis
An der denkwürdigen Delegiertenversammlung des Schweizerischen Freibergerzuchtverbandes von 1997 in Niederbipp wurde die Schliessung des Herdebuches beschlossen. Das heisst, dass ab 1998 keine fremden Hengste mehr in der Zucht zum Einsatz kommen durften.

Kurz darauf wurde unsere Definition des Original Freibergers vom Schweizerischen Freibergerzuchtverband unter dem Begriff «Basispferde» übernommen, und der FB-Anteil wird seither mit zweistelliger Genauigkeit in allen zuchtrelevanten Dokumenten eines Freibergers ausgewiesen.

Mit der Einführung der Kategorie Basis entstand auch der neue Begriff «Faktor Basis». Dazu gehören alle Freiberger mit FB-Anteil zwischen 2 und 4%. Denn wenn ein «Faktor Basis»-Freiberger mit einem Original Freiberger ohne Fremdblut gekreuzt wird, gehört das Fohlen wieder zu den Original Freibergern oder Basispferden.


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Beispiele der Fremdblutberechnung

Wenn in der 6. Ahnengeneration eines Pferdes ein Fremdhengst eingesetzt wurde und die übrigen Vorfahren «Original» sind, hat dieses Pferd einen Fremdblutanteil von 1.56% und erhält gemäss oben erwähnter Definition die Qualifikation «Original Freiberger Pferd» oder «Basispferd». Für die Berechnung des FB-Anteiles wird in jeder Generation der Fremdblutanteil halbiert (da ja im Beispiel nach der Einkreuzung in der 6. Generation kein weiteres Fremdblut dazugekommen ist):
100% / 2 / 2 / 2 / 2 / 2 / 2 = 1.56%

Wenn bei einem anderen Pferd in der 6. Ahnengeneration zwei Fremdhengste vorkommen, beträgt der Fremdblutanteil bei diesem Pferd 3.12%, und es ist somit nicht mehr ein Original Freiberger Pferd, aber ein «Faktor Basis»-Pferd:
(100% + 100%) / 2 / 2 / 2 / 2 / 2 / 2 = 3.12%

Bei einem dritten Pferd kommt in der 4. Ahnengeneration ein Fremdhengst vor. Der Fremdblutanteil des Pferdes beträgt 6.25%, und es ist somit weder ein Original Freiberger Pferd noch ein «Faktor Basis»-Pferd.
100% / 2 / 2 / 2 / 2 = 6.25%

Wird nun mit dem «Faktor Basis»-Pferd (3.12%) und einem Original Freiberger ohne Fremdblut (0%) weiter gezüchtet, entsteht ein Original Freiberger mit 1.56% FB:
(3.12% + 0.0%) / 2 = 1.56%.

Wenn aber mit dem «Faktor Basis»-Pferd (3.12%) und einem Original Freiberger mit 1.56% Fremdblut gezüchtet wird, entsteht kein Original Freiberger, sondern wieder ein Faktor-Basis-Pferd, diesmal mit 2.34% FB:
(3.12% + 1.56%) / 2 = 2.34%.

Wenn nun mit dem dritten Beispielpferd (6.25%) und einem Original Freiberger ohne Fremdblut (0%) gezüchtet wird, entsteht ein Faktor-Basis-Pferd mit 3.12% FB:
(6.25% + 0.0%) / 2 = 3.12%.

Hansueli Stöckli und Stefanie Meier


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Illustrationen

Anmerkung: Die Abstammungen in diesen Illustrationen sind aufgebaut, wie auf den Abstammungsscheinen. Das bedeutet, dass von rechts nach links gerechnet werden muss!

Abbildung 1: Palmira, Original Freiberger mit 0% Fremdblut (alle Vorfahren über mehrere Generationen sind Freiberger)

Palmira: 0%
0+0
2

Estafette: 0%
0+0
2

Enjoleur: 0%
0+0
2

Elu: 0%
Peggy: 0%
Carine: 0%0+0
2
Javart: 0%
Colline: 0%

Pina: 0%
0+0
2

Cato: 0%
0+0
2

Judäa: 0%
Lisette: 0%
Mignonne: 0%0+0
2

Enjoleur: 0%
Rêveuse: 0%


Abbildung 2: Penthesilea, 13.28% (der Vater führt das CH-Warmblut Qui-Sait und das Schwedische Warmblut Aladin in der Abstammung, die Mutter ist Original Freiberger mit 0% Fremdblut)

Penthesilea: 13.28%
26.56+0
2
Quemoy: 26.56%50+3.13
2

Queens: 50%
100+0
2

Qui-Sait:CH-Warmblut = 100%
Jouvence: 0%
Marquise: 3.13%6.25+0
2
Hobby: 6.25% (*Hobbys Ururgrossvater war das schwedische Warmblut Aladin)
Fanny: 0%

Carla: 0%
0+0
2

Clin d'Oeil: 0%
0+0
2
Jeans: 0%
Pâquerette: 0%
Carina: 0%0+0
2

Diogenes: 0%
Princesse: 0%


Abbildung 3: Amelia, 6.25% (der Vater ist Original Freiberger, die Mutter führt den Vollblutaraber Doktryner in ihrer Abstammung, die Grossmutter mütterlicherseits ist Original Freiberger und Mutter von Pethesilea)

Amelia: 6.25%
0+12.5
2

Estafette: 0%
0+0
2

Enjoleur: 0%
0+0
2

Elu: 0%
0+0
2
Epi d'Or: 0%
Bichette: 0%
Peggy: 0%0+0
2

Radical: 0%
Princesse: 0%
Carine: 0%0+0
2
Javart: 0%0+0
2

Jura: 0%
Mérita: 0%
Colline: 0%0+0
2
Roi d'un Jour: 0%
Couchette: 0%

Laila: 12.5%
25+0
2

Don Fernando: 25%
50+0
2

Don Pablo: 50%
100+0
2

Doktryner: Vollblutaraber = 100%

Haïtienne: 0%
Draga: 0%0+0
2
Gratulant: 0%
Blida: 0%

Carla: 0%
0+0
2

Clin d'Oeil: 0%
0+0
2
Jeans: 0%
Pâquerette: 0%
Carina: 0%0+0
2

Diogenes: 0%
Princesse: 0%

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